Die Sprache Quebecs: Unterschiede zwischen Französisch in Quebec und Frankreich

Die Sprache Quebecs: Unterschiede zwischen Französisch in Quebec und Frankreich

Von Lingoda Team
Aktualisiert am 22.04.2022

Französisch ist eine der offiziellen Amtssprachen oder die offizielle Amtssprache in 29 Ländern, darunter auch in Quebec, dem französischen Teil in Kanada. Zwischen ungefähr 77 und 110 Millionen Menschen sprechen Französisch als ihre Muttersprache und etwa 190 Millionen Menschen sprechen die Sprache als Fremd- oder Zweitsprache. Die Schätzungen zur Entwicklung des Französischen in der nahen Zukunft unterscheiden sich ein wenig. Die Organisation international de la Francophonie hat eine Prognose veröffentlicht, in der es heißt, dass im Jahre 2050 ungefähr 700 Millionen Menschen Französisch als Muttersprache oder Fremdsprache sprechen werden.

Die meisten Menschen, die Französisch als ihre Muttersprache außerhalb von Frankreich angeben, leben in Quebec. Zusammen mit anderen Regionen in Kanada und den Vereinigten Staaten sind insgesamt 8% der Gesamtbevölkerung der Amerikas, die französische Muttersprachler sind. Durch die hohe Konzentration von Menschen in Quebec, die Französisch sprechen, spielt diese Provinz eine wichtige Rolle innerhalb la Francophonie – der Gemeinschaft französischsprachiger Länder, Organisationen, Regierungen und Kollektive, die Französisch auf einer tagtäglichen Basis oder als Amtssprache verwenden.

Wie Französisch nach Kanada kam
Was unterscheidet das Quebecer Französisch vom Rest?
Eine Auswahl an typischen Unterschieden der beiden Varianten

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Wie Französisch nach Kanada kam

Um die Unterschiede zwischen Französisch aus Frankreich und dem aus Quebec (le français québécois) zu verstehen, ist es notwendig einen kurzen historischen Abriss über den Verlauf, wie Französisch nach Kanada kam und was danach geschah, zu geben. Alles begann mit König Franz I. dem Ritterkönig, der eine westliche Expedition beauftragte, einen alternativen Handelsweg nach China zu finden. Jacques Cartier landete 1534 jedoch nicht in China, sondern auf der Gaspé-Halbinsel (oder auch Gaspésie) in der heutigen Provinz Quebec. Neufrankreich wurde gegründet und Siedler begannen nach Nordamerika zu kommen. Neufrankreich erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 1712, als das Territorium über die Hälfte der Fläche der heutigen Länder Kanada und den USA umfasste.

Neben diesem Höhepunkt gibt es noch weitere geschichtliche Ereignisse, die erklären, warum es Unterschiede zwischen dem Französisch vom europäischen Kontinent und dem kanadischen Französisch gibt. Zunächst fand im Jahr 1754 ein Überraschungsangriff statt, der zum sogenannten La guerre de la Conquête führte. Aufgrund der Härte der kanadischen Winter im Vergleich zu denen in Frankreich, war die Bevölkerungszahl Neufrankreichs wesentlich kleiner als die der 13 Kolonien in den Vereinigten Staaten. Daher war Neufrankreich viel anfälliger für Angriffe. Zudem waren Frankreich und Großbritannien in den Siebenjährigen Krieg verwickelt, der im Vertrag von Paris (1763) resultierte. Als Konsequenz fiel die Provinz Quebec unter britische Herrschaft, was einen Einschnitt in den Beziehungen zwischen der französischsprachigen Provinz und dem Mutterland Frankreich bedeutete.

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Was unterscheidet das Quebecer Französisch vom Rest?

Bevor wir uns auf die Unterschiede zwischen Französisch aus Frankreich und dem Französisch in Quebec konzentrieren können, ist es wichtig anzumerken, dass die beiden Varianten dieser Sprache in ihrer schriftlichen Form nicht so sehr voneinander abweichen. Obwohl es einige Unterschiede im Vokabular und der Semantik gibt, verwenden die Menschen in Quebec die Grammatik der französischen Standardsprache. Daher kann es durchaus schwer sein zu erahnen, ob ein Franzose oder ein Quebecer einen offiziellen Text geschrieben hat.

Die hauptsächlichen Unterschiede sind in der gesprochenen Sprache zu finden. Fangen wir bei der Aussprache an: hierzu gehört beispielsweise die Qualität der Vokale und Konsonanten. Das Französisch aus Quebec hat einen reicheren vokalischen Bestand aufgrund einer stärkeren und weitgreifenderen Nasalisierung. Hinzu kommt, dass die oberen Vokale i, u und ou in geschlossenen Silben mit weniger Spannung ausgesprochen werden. Dies resultiert in der Tatsache, dass homophone Wörter im Standardfranzösischen sich im Quebecer Französisch unterscheiden, wie zum Beispiel pâte and patte.

Abgesehen von der Aussprache, kann man auch starke Einflüsse aus der englischen Sprache aus der Zeit der britischen Herrschaft über Kanada und durch die Industrialisierung sehen. Ebenso beeinflussten Sprachen der amerikanischen Ureinwohner sehen die Sprache in Quebec. Auch sieht man noch Auswirkungen der Unterbrechung der französisch-kanadischen Beziehungen: iIn dieser Zeit haben manche Wörter im Französischen in Frankreich eine Entwicklung durchlaufen, die so im französischsprachigen Kanada nicht stattgefunden hat.

Eine Auswahl an typischen Unterschieden der beiden Varianten

Es gibt viele Beispiele, inwiefern die beiden Varianten sich in Vokabular und Bedeutung unterscheiden. Hier sind nur einige Beispiele, um direinen Eindruck der Unterschiede zu vermitteln.

Quebecer FranzösischFranzösisch aus FrankreichDeutschAnmerkung
achiganperche noireder Schwarzbarsch 
brunantecrépusculedie Abenddämmerung 
atocaairelledie Cranberrydiese Wort leitet sich vom Wort der Ureinwohner ab
carcajougloutonder Vielfraß (zool.)diese Wort leitet sich vom Wort der Ureinwohner ab
barrerverrouillerabsperren 
traversierferry/bacdie Fähre 

Es gibt auch Wörter, die in gleicher Form in beiden Varianten der Sprache zu finden sind aber eine unterschiedliche Bedeutung haben. Zum Beispiel, dépanneur bezieht sich in Quebec auf einen Eckladen oder einen kleinen Lebensmittelladen, während es in Frankreich für eine Person benutzt wird, die Hausbesuche zur Reparatur macht, wie etwa ein Elektriker oder Handwerker.

Auch wenn wir hier von den Unterschieden des Französischen und Quebecer Französisch sprechen, muss man auch festellen, dass sich das Quebecer Französisch in einigen Punkten nicht so sehr vom Französisch in Frankreich wegentwickelt hat. So wird in Kanada noch heute das Verb magasiner für einkaufen gehen verwendet das vor über 300 Jahren im Nordwesten Frankreichs genutzt wurde. In Europa wird die Konstruktion faire du shopping (den Einkauf/das Shopping machen) stattdessen verwendet.

Quebecer Französisch hat zudem eine sehr große Bandbreite an Slangwörtern und Redensarten, die spezifisch für Quebec und dessen Kultur sind. Baise-moué l’ail, das wortwörtlich küss meinen Knoblauch bedeutet, ist nur ein Beispiel. Die wahrscheinlich plausibelste Erklärung ist, dass ail ein englisches Wort für ein Körperteil ersetzen soll, das sich zwischen dem Rücken und den Oberschenkeln befindet. Jedoch können wir hier nur mutmaßen, warum es ausgerechnet der Knoblauch ist, der geküsst werden soll. Vielleicht ist es nur der ähnliche Wortklang zum englischen Wort, vielleicht aber auch die Form des Knoblauchs. Vielleicht gibt es aber auch einen ganz anderen Grund.

In diesem Video lernst du über noch mehr über die Anwendung der beiden Französischarten:

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