Die Geschichte der englischen Sprache – eine Erfolgsstory

Die Geschichte der englischen Sprache – eine Erfolgsstory

Von Sandra Köktaş
Aktualisiert am 10.05.2022

Es ist zum Verzweifeln. Nichts wird geschrieben, wie man es spricht. Andererseits freut uns das Fehlen von Kasusendungen oder dem grammatischen Geschlecht. Und viele Wörter kommen uns bekannt vor. Wer hat sich das nur ausgedacht? Die Geschichte der englischen Sprache ist ein Stück in drei Akten, in dem Kelten, Römer und Germanen mit Wikingern und Normannen die Bühne teilen. Wir zeigen dir, wie die heutige Lingua franca von Britannien aus die Welt eroberte, wie dabei die englische Sprache entstand, und wie es weitergeht. Denn vorbei ist es mit dem Abenteuer Englisch noch lange nicht.

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Wann wurde die englische Sprache erfunden: Altenglisch

Die Geschichte der englischen Sprache reicht 1600 Jahre zurück. Welche Sprache wurde damals in Britannien gesprochen? Die einheimischen Kelten sprachen die brythonischen Dialekte Bretonisch, Walisisch, Kornisch und Cumbrisch, ihre römischen Herren Latein. Als um 400 n. Chr. germanische Stämme wie Angeln und Sachsen nach England kamen und die Römer und einen guten Teil der Kelten vertrieben, brachten sie ihre germanischen Dialekte mit. Diese verschmolzen zwischen 700 und 1100 n. Chr. zum sogenannten Altenglischen oder Angelsächsischen. Im Zuge der fortschreitenden Christianisierung wichen die germanischen Runen dem lateinischen Alphabet, Latein und Griechisch fanden Eingang in das Altenglische. Das gliederte sich in die vier Dialekte Mercisch, Northumbrisch, Kentisch und Westsächsisch. Wie das aussah, als im 8. Jahrhundert noch die Wikinger und ihr Altnordisch dazu kamen, verdeutlicht schön die Netflix-Serie Vikings, die auch beim Englischlernen helfen kann. 

Starthilfe aus Frankreich: Mittelenglisch

Wer hat Englisch erfunden? Die Antwort darauf lautet also: die Angelsachsen, mit ein bisschen Hilfe der einheimischen Kelten, Römer und Wikinger. So richtig auf den Weg gebracht haben die Geschichte der englischen Sprache aber ausgerechnet die Franzosen; beziehungsweise die aus Frankreich stammenden Normannen. Wilhelm der Eroberer hatte nach der Schlacht von Hastings den englischen Thron bestiegen, auf dem bereits seine Ahnherrin Emma aus der Normandie gesessen hatte. Und die war sowohl mit dem Angelsachsen Aethelred II. als auch dem Wikinger Knut dem Großen verheiratet gewesen, die beide England regiert hatten. 

Auf dieser Stufe der Entwicklung fanden über 10.000 Wörter rund um Essen, Mode, Militär, Recht, Regierung und Kirche Eingang aus den langues d’oïl ins Englische. Auch die lateinische Sprache wirkte weiter, ebenso wie das Altnordische. Unter dessen Einfluss wurden etwa die komplizierten Endungen und die  Platzierung des Hauptverbs am Ende des Satzes aufgeben. Ein Dankeschön an die Wikinger. Während das Anglonormannische die Sprache von Königshof und hohem Adel war, lebte das Angelsächsische im einfachen Volk weiter. Dazwischen stand eine zweisprachige Mittelschicht aus niederem Adel und Kaufleuten. Mit deren Erstarken und einem fortschreitenden Patriotismus während des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich gewann auch die englische Sprache wieder an Verbreitung. 400 Jahre nach der Schlacht von Hastings präsentiert sich das Mittelenglische  als die Sprache offizieller Dokumente und der Literatur. Einfache Lektüre ist dieser Teil der Geschichte der englischen Sprache heute nicht. 

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Aufbruch in die Moderne: Neuenglisch

Ab ca. 1400 erfasst von Italien aus die Renaissance Europa und mit ihr die wachsende Kenntnis antiker Autoren. Mit im Gepäck: die erstarkenden Nationalsprachen wie Italienisch. 

Shakespeare und das Early Modern English

Einer der größten Namen der Geschichte der englischen Sprache steht wie kein anderer für die Entwicklung des Neuenglischen: In Shakespeare finden wir bereits die Harmonisierung der Vokallaute, die das Englisch seiner Werke für unsere Ohren vertraut klingen lassen (und die richtige Rechtschreibung zu einer Herausforderung machen). Der Meister hat auch an die 2000 Wörter beigesteuert. Seine bildliche Erkenntnis Love is blind ist älter als man denkt.

Kolonialismus und Late Modern English

Sprache der Wissenschaft bleibt Latein. Im wissenschaftlich starken England steuert es viele Wörter bei. Über den florierenden Handel wiederum brachten sich andere europäische Sprachen wie das Niederländische ein. In der Zeit von 1700 bis 1900 standen deshalb Bemühungen im Vordergrund, die sehr reiche und vielfältige englische Sprache zu fixieren. Diese fanden Ausdruck in einer Reihe von Wörterbüchern wie dem erstmals 1884 erschienen Oxford English Dictionary. Die Bedeutung Großbritanniens als Kolonialmacht hingegen führte zu einer Verbreitung des Late Modern English in der ganzen Welt. Neben der Entstehung von Kreolsprachen und Pidgins brachten sich die Sprachen der neuen Untertanen auch im Englischen ein. 


Von Britannien um den ganzen Globus: Weltsprache Englisch

Wer hat Englisch erfunden? Die Geschichte der englischen Sprache beginnt mit dem Zusammentreffen von Germanen, Kelten und Römern. Wikinger und Normannen spielten im Alt -und Mittelenglischen eine führende Rolle. Der Einfluss des Lateinischen hat die gesamte Entwicklung bis zum Neuenglischen begleitet.  Der Kolonialismus ermöglichte die weltweite Verbreitung der englischen Sprache.  Wohin die Reise des heutigen Contemporary English geht, ist noch nicht abzusehen. Der Einfluss des Internets zeigt sich in Wortschöpfungen wie OMG. 

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Sandra lebt mit ihren Kindern, Hund und Katze in Istanbul. Als Geschichtswissenschaftlerin fühlt sie sich hier besonders wohl. Tagesausflüge zu den Sehenswürdigkeiten der türkischen Metropole sowie Roadtrips durch die Türkei und die Nachbarländer halten das Leben spannend. Ihre Liebe zu Sprachen hat sie auch bei ihrer Berufswahl berücksichtigt und schreibt als freiberufliche Texterin zu ihren Lieblingsthemen. Neben Sprache und Kultur gehören dazu auch unsere vierbeinigen Freunde, auf die sich mit dem Projekt contentrundumstier.de konzentriert.