Deutschland ist überall auf der Welt für das legendäre Oktoberfest bekannt, das zweiwöchige Volksfest, welches von Menschen aus allen Ecken der Welt besucht wird, um dort lokales Bier zu trinken und um ein wenig in deutsche Traditionen hinein zu schnuppern. Das Oktoberfest, das auch als Wies’n bekannt ist, ist die berühmteste deutsche Tradition, aber es gibt noch einige andere weniger bekannte Bräuche, die mindestens genauso interessant sind. Hier stellen wir Ihnen acht authentische Traditionen vor, die den meisten Deutschen lieb und teuer sind.

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1. Die Schultüte am ersten Schultag

Die Schultüte ist eine Tradition, die schon im 19. Jahrhundert eingeführt wurde. Es handelt sich dabei um eine Tasche, die aus Plastik oder Papier besteht. Sie hat die Form eines großen Kegels. Die Schultüten werden den Kindern an ihrem allerersten Schultag nach dem Kindergarten von ihren Eltern überreicht. Dieser Brauch ist dafür gedacht, dass es den Kindern leichter fällt, die Ängste vor dem Neuen abzulegen, die normalerweise mit diesem Meilenstein verbunden sind. Schultüten sind mit vielen kleinen Geschenken gefüllt – üblicherweise mit Süßigkeiten, Spielzeug und vor allem Schreibwaren für den neuen Schulalltag.

2. Das Feuerwerk am Silvesterabend

Vielleicht denken Sie jetzt, dass es doch eigentlich überall auf der Welt am Silvesterabend ein Feuerwerk gibt. Dennoch sollten Sie wissen, dass die Deutschen ihr Silvester-Feuerwerk sehr ernst nehmen. Am 31. Dezember – oder manchmal schon einige Tage davor -, verwandeln sich 90% der Bevölkerung im Alter von 5 bis 95 Jahren in sachkundige Pyrotechniker und beginnen zu jeder Tages- und Nachtzeit damit, ein Feuerwerk in jede erdenkliche Richtung starten zu lassen. Das ist besonders furchterregend, wenn die Uhr auf Mitternacht zugeht, scheint aber bei vielen Menschen keine großen Sorgen auszulösen. Schauen Sie sich dieses Video an, wenn Sie sehen möchten wie das Feuerwerk am Silvesterabend in Deutschland aussehen kann.

3. „Dinner For One“ am Neujahrsabend

Eine weitere interessante deutsche Neujahrstradition heißt „Dinner For One“. Haben Sie schon mal davon gehört? Die englische Komödie wurde 1963 gedreht und wird seitdem jedes Jahr an Silvester im Fernsehen gezeigt – insgesamt bis heute über 231 Mal. Wenn Sie einen deutschen Freund beeindrucken möchten, versuchen Sie einfach das Kult-Zitat „The same procedure as last year?“ – „The same procedure as every year“ in ein Gespräch einzubauen. Der Sketch hält den Rekord als am häufigsten wiederholte TV-Sendung auf der ganzen Welt, wurde aber nie im Vereinigten Königreich oder in den Vereinigten Staaten ausgestrahlt. Die Gründe für seinen Erfolg in Deutschland bleiben mysteriös, aber Sie können sich das 11-minütige Video hier anschauen.

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4. Den Geburtstag reinfeiern

In Deutschland wird das Feiern des Geburtstags sehr ernst genommen. Eine dazu gehörende Tradition wird als „Reinfeiern“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie „party into“ und im deutschen Sprachgebrauch in dem Satz „in den Geburtstag reinfeiern“ verwendet wird. Das Verb steht für die Tatsache, dass der Geburtstag einer Person schon am Abend zuvor gefeiert wird, weil der eigentliche Geburtstag beginnt, sobald die Zeiger der Uhr auf Mitternacht stehen. Auf diese Art und Weise ist das Geburtstagskind (wörtlich „birthday kid“) in den ersten Minuten oder Stunden des Geburtstages von seinen Liebsten umgeben.

5. Karneval / Fasching / Fastnacht

Wenn Sie das Wort „carnival“ hören, denken Sie sicher zuerst an Rio de Janeiro und Venedig, aber auch Deutschland hat eine starke Karneval-Kultur. Die Karneval-Saison, die abhängig von der Region auch andere Namen trägt, wie etwa Fasching in Ostdeutschland oder Bayern oder Fastnacht in Rheinland-Pfalz, Hessen oder dem Saarland, beginnt genau am 11. November um 11:11 Uhr und erreicht am Rosenmontag ihren Höhepunkt, der normalerweise auf den Februar oder in den frühen März fällt. Zwei Tage später ist Aschermittwoch, mit diesem Tag hört die Saison auf. Am stärksten wird in Köln, Mainz und Düsseldorf gefeiert, aber auch andere deutsche Regionen feiern am und um den Rosenmontag herum. Dann werden Karnevalsumzüge veranstaltet und die Menschen feiern überall auf der Straße.

6. Tanz in den Mai

Als Tanz in den Mai („dance into May“) werden die Partys bezeichnet, die jedes Jahr am 30. April stattfinden. Diese Zeremonie hat ihre Wurzeln in der Walpurgisnacht oder Hexennacht („Witches Night“). Das war die Nacht, in der böse Geister abgeschüttelt und die Ankunft des Frühlings gefeiert wurde. Heutzutage bieten die meisten Clubs und Bars spezielle Partys an und die Menschen feiern auch oft an einem offenen Feuer in Parks. Der erste Mai wird in Deutschland ebenfalls groß gefeiert, denn er ist der Tag der Arbeit. In Berlin finden dann zum Beispiel viele Demonstrationen statt und das Berliner Viertel Kreuzberg verwandelt sich in ein großes Straßenfestival mit Open-Air-Bühnen, wo kostenlose Konzerte stattfinden.

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7. Tanzverbot

Tanzverbot bedeutet im Englischen so viel wie „dancing ban“. Das Wörtchen wird verwendet, um den Fakt zu beschreiben, dass Tanzen an manchen Feiertagen von der Regierung verboten wird. Tanzverbote gibt es meistens an christlichen Feiertagen wie Karfreitag und an Gedenktagen wie dem Volkstrauertag, an welchem man den Opfern gedenkt, die durch Kriege oder Unterdrückung sterben mussten. Dieses Tanzverbot betrifft öffentliche Tanzveranstaltungen, aber die meisten Menschen tanzen in ihren eigenen vier Wänden trotzdem. In der Praxis bedeutet das, dass manche Orte, die eigentlich zum Tanzen gedacht sind – wie etwa Tanzclubs – während dieser Zeit geschlossen bleiben müssen. In Berlin dürfen die Clubs zum Beispiel zwischen 16 Uhr und 19 Uhr am Karfreitag nicht öffnen.

8. Tatort

Als Ausländer, der in Deutschland lebt, werden Sie schon bald das erste Mal von einem Freund eingeladen werden, um den Tatort zu schauen. Das ist eine Krimiserie, die schon seit den 1970er-Jahren ausgestrahlt wird und zu einer großen Sonntagabend Tradition in Deutschland geworden ist. Die Sendung basiert auf Geschichten, die verschiedenen Polizeieinheiten in unterschiedlichen Städten passieren. Jede Episode findet in einem von 20 Orten aus Deutschland, der Schweiz oder Österreich statt und dreht sich um ein einzelnes Verbrechen. Es gibt in Bars auch öffentliche Vorführungen des Tatorts. Einige Menschen bleiben sogar extra zuhause, um die wöchentliche Tatort-Episode schauen zu können.